Hallenser Mediziner Prof. Jan Schildmann ist neuer Präsident der Akademie für Ethik in der Medizin
Prof. Dr. Jan Schildmann, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Halle, wurde zum Präsidenten der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) gewählt. Die AEM ist die Fachgesellschaft für Ethik im Gesundheitswesen im deutschsprachigen Raum mit mehr als 1.200 Mitgliedern. Themen seiner Amtszeit sind unter anderem die Qualitätssicherung der Ethikberatung sowie die Rolle der Medizinethik im politischen Wandel.
Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen können sich verändern und damit die Fragen, mit denen sich die Medizinethik auseinandersetzen muss. „Angesichts absehbarer Einsparungen im Gesundheitswesen stellt sich beispielsweise die Frage, wie medizinische Leistungen künftig priorisiert werden sollen. Als AEM müssen wir unsere Rolle in diesem Prozess finden. Zugleich halte ich es für notwendig, sich in Zeiten vielfacher Anfeindungen klar für Demokratie und Wissenschaftsfreiheit einzusetzen“, betont Schildmann.
Ein wichtiges Thema seiner Amtszeit ist die Qualität von Ethikberatungen. Diese können das Behandlungsteam unterstützen, wenn medizinische Entscheidungen besonders komplex sind und der Fokus nicht allein auf dem technisch Möglichen liegt. „Bei ethischen Konflikten geht es nicht darum, die eine richtige Antwort zu kennen. Vielmehr gilt es, unterschiedliche Blickwinkel zu berücksichtigen und gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, die dem Willen und Wohl des Betroffenen möglichst gerecht wird“, erklärt Prof. Schildmann. Entsprechende Standards entwickelt und sichert die AEM. „Angesichts der weitreichenden Entscheidungen, die bei einer Ethikberatung diskutiert werden, ist es sehr wichtig, dass diese Angebote fachlich fundiert und professionell gestaltet werden. Vor diesem Hintergrund werden wir in einer Expert:innengruppe das Curriculum und die aktuelle Zertifizierung prüfen und anpassen, wo dies erforderlich ist“, so der Medizinethiker und Internist.
Ein weiteres aktuelles Thema ist der Umgang mit Suizidassistenz. Unter Federführung der AEM wurde eine Leitlinie erarbeitet, deren Veröffentlichung kurz bevorsteht. Sie soll Fachkräften Orientierung geben, wenn sie mit entsprechenden Anfragen konfrontiert sind. „Ich gehe davon aus, dass es nach der Veröffentlichung viele Diskussionen geben wird, und dass wir im Zuge einer Gesetzgebung möglicherweise Anpassungen vornehmen müssen.“
Die Wahl fand am 11. September 2026 bei der Mitgliederversammlung in Oldenburg statt. Schildmann folgt auf Prof. Dr. Silke Schicktanz aus Göttingen, die das Amt vier Jahre lang innehatte.
Zur AEM
Die AEM ist ein eingetragener Verein und fördert den öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs über ethische Fragen in den Bereichen Medizin, Pflege und Gesundheitswesen. Eine Besonderheit ist ihre interdisziplinäre Zusammensetzung: Neben Mediziner:innen und Pflegekräften gehören ihr unter anderem Philosoph:innen, Theolog:innen sowie Jurist:innen an. Neben ihren Tagungen und Symposien sowie der Herausgabe der Fachzeitschrift „Ethik in der Medizin“ engagiert sie sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Darüber hinaus ist die AEM als Fachgesellschaft für Ethik im Gesundheitswesen an der Erarbeitung verschiedener medizinischer Leitlinien beteiligt – beispielsweise im Bereich der Palliativmedizin oder zum Umgang mit Zwang in der psychiatrischen Versorgung. Auch zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen bezieht sie Stellung, etwa während der COVID-19-Pandemie.
Zur Person
Jan Schildmann studierte Humanmedizin, Philosophie und „Medical Law & Ethics“. 2004 wurde er an der Universität Erlangen-Nürnberg promoviert. 2011 habilitierte er sich an der Ruhr-Universität Bochum im Fach Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin. Er ist Facharzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin. Nach einer Professur für Medizinethik an der Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth ist er seit 2018 Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin Halle. Er gehört dem Vorstand der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) und dem Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) an. In der AEM ist er seit 2024 Vorstandsmitglied.
