Pilotprojekt: Auszubildende des Universitätsklinikums Halle (Saale) leiten OP-Saal

Eine Person in OP-Kleidung steht an einem OP-Tisch und hält ein Instrument in der Hand. Auf dem Tisch vor ihr liegen Instrumente für die OP. Links im Bild befinden sich im Anschnitt zwei weitere Personen in OP-Kleidung.

Eine Auszubildende assistiert während einer OP.

Am Universitätsklinikum Halle (Saale) leiten Auszubildende im Rahmen eines Praxisprojekts erstmals eigenständig einen OP-Saal. Die angehenden Operations- und Anästhesietechnischen Assistent:innen, kurz OTA und ATA, übernehmen für zwei Wochen den OP der Gynäkologie. Ziel des Pilotprojekts ist es, die in der Ausbildung erlernten Kenntnisse und Fertigkeiten in einem geschützten Rahmen praktisch umzusetzen und unter realen Bedingungen weiterzuentwickeln. Erfahrene Kolleginnen und Kollegen begleiten die Teilnehmenden und unterstützen bei Bedarf.

„Die Auszubildenden übernehmen eigenverantwortlich ihre jeweiligen Aufgaben und trainieren die Zusammenarbeit in einem multiprofessionellen OP-Team. Dazu gehören auch Kommunikation, Rollenverständnis und gemeinsame Entscheidungsfindung“, sagt Manuela Claus, Leiterin der Zentralen Operationsabteilung der Universitätsmedizin Halle. „Gleichzeitig findet das Projekt unter klar definierten Sicherheitsvorkehrungen statt. Durch die tägliche Reflexion des Erlebten wachsen die Auszubildenden Schritt für Schritt in ihre künftige Fachrolle hinein.“ Für die Auszubildenden stünden dabei vor allem ihr fachliches und persönliches Wachstum und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen im Vordergrund.

„Gute operative Medizin entsteht im Team. Der Schul-OP gibt Auszubildenden die Möglichkeit, genau diese Zusammenarbeit früh und unter sicheren Bedingungen praktisch zu erleben. Als Frauenklinik unterstützen wir das natürlich sehr gern, weil Nachwuchsförderung und operative Qualität für uns eng zusammengehören“, sagt Prof. Markus Wallwiener, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Gynäkologie der Universitätsmedizin Halle.

Zehn Tage Praxisphase im OP 

In der Praxisphase arbeiten die Teilnehmenden zehn Arbeitstage im Frühdienst oder in der Tagschicht. Pro Schicht bilden zwei Auszubildende zur oder zum OTA ein festes Team, wobei eine oder einer der beiden steril am OP-Tisch arbeitet und die andere Person als „Springerin“ oder „Springer“ im unsterilen Bereich assistiert. Hinzu kommt eine oder ein Auszubildender zur oder zum ATA, die oder der die Anästhesistin oder den Anästhesisten unterstützt. Regelmäßige Feedbackgespräche und eine digitale Feedbackmöglichkeit dienen parallel der fortlaufenden Reflexion.

Von der Initiierung und Planung über die Praxisphase bis zur abschließenden Evaluation ist für das Pilotprojekt insgesamt ein Zeitraum von rund einem Jahr vorgesehen. Den Verlauf des „Schul-OP“ evaluiert Projektleiterin Olivia Siemon, Lehrkraft für OTA und ATA am Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe der Universitätsmedizin Halle, im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit. Perspektivisch ist sowohl eine Ausweitung auf weitere Auszubildende als auch auf andere Fachbereiche und OP-Säle denkbar.

Erfolgskonzept „Schulstation“ weitergedacht

Mit dem „Schul-OP“ überträgt die Universitätsmedizin Halle das bereits etablierte Ausbildungskonzept „Schulstation“, bei der Auszubildende der Pflege für einen begrenzten Zeitraum eigenständig die Organisation und Versorgung auf einer Station übernehmen, erstmals auf den operativen Bereich.

„Mit unserer Schulstation haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Auszubildenden frühzeitig Verantwortung zu übertragen und ihnen Raum für selbstständiges Handeln zu geben. Mit dem Schul-OP führen wir diesen Ansatz konsequent weiter und schaffen auch für unsere OTA- und ATA-Auszubildenden eine Lernumgebung, in der sie ihre berufliche Handlungskompetenz weiterentwickeln können. Davon profitieren nicht nur die Auszubildenden, sondern langfristig auch unsere Teams und die Versorgungsqualität“, sagt Christiane Becker, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Halle (Saale).