„Wissenschaftliche Spitzenleistungen mit klarem Anwendungsbezug“: Zwei Innovationspreise für die Universitätsmedizin Halle

Gleich doppelt punkteten Teams der Universitätsmedizin Halle mit ihren Ideen beim Hugo-Junkers-Preis 2026, der wissenschaftliche Spitzenleistungen mit klarem Anwendungsbezug würdigt. In den Kategorien „Grundlagenforschung“ und „Angewandte Forschung“ errangen die Teams jeweils den zweiten Platz und damit Preisgelder in Höhe von insgesamt 14.000 Euro.

Der Hugo-Junkers-Preis ist mit 80.000 Euro der höchstdotierte Innovationspreis Sachsen-Anhalts. In diesem Jahr konkurrierten 74 Bewerbungen in vier Kategorien, von denen 20 für das Finale nominiert wurden. Die Preisverleihung durch Prof. Armin Willingmann, Wissenschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, fand am Abend des 11. Juni 2026 im Magdeburger Jahrtausendturm statt.

Neuer Angriffspunkt gegen Krebs

Für ihre Fortschritte bei einem neuartigen Therapieansatz gegen verschiedene Krebserkrankungen wurde ein Team aus Medizin und Pharmazie um Dr. Nadine Bley, Prof. Stefan Hüttelmaier und Prof. Wolfgang Sippl mit dem 2. Platz in der Kategorie „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“ honoriert. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 7.000 Euro verbunden. 

Durch jahrelange intensive Forschung ist es dem Team gelungen, das therapeutische Potenzial sogenannter RNA-bindender Proteine aufzuzeigen und Wege zu entwickeln, dieses auszuschöpfen. Im Fokus stehen dabei Proteine der „IGF2BP“-Familie, die für Tumorzellen von großer Bedeutung sind, in gesunden Zellen bei Erwachsenen jedoch kaum vorkommen. 

„Diese Proteine beeinflussen das Wachstum, das Überleben und die Ausbreitung von Krebszellen und können Tumoren widerstandsfähiger gegenüber Medikamenten machen. Werden sie blockiert, hat der Krebs schlechte Karten. Damit verfolgen wir einen völlig neuen Ansatz, der bislang nicht in der Klinik angewendet wird“, erklärt Hüttelmaier. 

Zurzeit befinden sich verschiedene Wirkstoffkandidaten zur gezielten Blockade bestimmter IGF2BP-Proteine in der Testphase, von denen einige bereits patentiert sind. Erste vielversprechende Ergebnisse aus vorklinischen Studien, etwa zu Eierstockkrebs und zur Kombination mit etablierten Immuntherapien, liegen bereits vor. Auch bei Darmkrebs, Neuroblastomen und weiteren Tumorarten zeigt der Ansatz, Tumorzellen über RNA-bindende Proteine anzugreifen, großes Potenzial. Das Team arbeitet derzeit daran, die Stabilität und Verfügbarkeit der Substanzen im Körper zu verbessern, um eine zügige klinische Anwendung zu ermöglichen.

Alzheimer frühzeitig entdecken

Mit ihrer Forschung zur schonenden und frühzeitigen Diagnose der Alzheimer-Erkrankung erzielte ein Team um Prof. Dr. Markus Otto den 2. Platz in der Kategorie „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“, der mit 7.000 Euro dotiert ist. Gemeinsam mit Partnern des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen entwickelte er ein minimalinvasives Verfahren, um zugrundeliegende Schäden an Nervenzellen bereits Jahre vor den ersten Krankheitsanzeichen aufzudecken.

Dazu wird die Konzentration des Proteins „beta-Synuclein“ untersucht. Es ist ein Bestandteil der Nervenenden und an der Informationsübertragung von einer Nervenzelle auf die nächste beteiligt. „Bei der Alzheimer-Erkrankung ist die Konzentration von beta-Synuclein im Nervenwasser frühzeitig erhöht. Infolgedessen gelangt es in den Blutstrom und lässt sich, wie wir demonstrieren konnten, mithilfe eines Bluttests zuverlässig analysieren. Unser Verfahren ist allerdings deutlich weniger invasiv als bisherige Ansätze, die eine Lumbalpunktion benötigen, und zeigt die Krankheit dennoch bis zu elf Jahre vor Ausbruch der Symptome an“, erklärt Prof. Otto. 

Damit wäre es wesentlich einfacher, Risikopatient:innen zu identifizieren und neue Therapien einzusetzen, wenn der Krankheitsverlauf noch nicht weit fortgeschritten ist. Auch bei Schlaganfällen liefert beta-Synuclein als Biomarker wertvolle Informationen. Denn die gemessenen Konzentrationen stehen auch hier in engem Zusammenhang mit dem Ausmaß der Schädigung im Gehirn.

Das Blut-Diagnoseverfahren befindet sich auf dem Weg in die breite Anwendung: Eine Ausgründung zur Überführung in die klinische Praxis fand bereits statt – begleitet vom Technologie- und Gründerzentrum Halle GmbH. Gleichzeitig arbeitet man daran, die Technik zu vereinfachen und eine Routinetauglichkeit der Blutprobenanalyse zu erreichen.

Weitere Informationen: Hugo-Junkers-Preis