Drei Fragen an Christiane Becker nach der Wahl zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Verbandes der Pflegedirektor:innen
Der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU) hat sich für die kommenden drei Jahre neu aufgestellt. Auf der Mitgliedersammlung wurde Christiane Becker, Pflegedirektorin der Universitätsmedizin Halle, zur neuen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gewählt. Mit den ebenfalls neuen Vorstandsmitgliedern Susanne Arnold und Marcus Huppertz sowie dem bestätigten Vorsitzenden Torsten Rantzsch bildet sie das neue Führungsquartett.
Der VPU vereint die Pflegedirektor:innen der deutschen Universitätskliniken. Wofür setzt sich der Verband ein?
Christiane Becker: Der VPU ist der Verband der Pflegedirektor:innen der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands mit Sitz in Berlin. Die 36 im Verband organisierten Pflegedirektor:innen repräsentieren rund 65.000 Pflegende an deutschen Universitätskliniken.
Ziel des VPU ist es, die Rahmenbedingungen für eine qualitätsorientierte Pflege zu verbessern. Die universitäre Pflege hat dabei besondere Anforderungen: Sie versorgt Patient:innen mit komplexen Krankheitsbildern und ist eng mit Ausbildung, Forschung und Innovation verbunden. Der VPU bündelt die Erfahrungen seiner Mitglieder und vertritt sie in gesundheitspolitischen Debatten und Gremien.
Gleichzeitig dient der Verband dem Austausch und der Vernetzung der Pflegedirektionen untereinander.
Der neue Vorstand ist für drei Jahre gewählt. Welche Themen stehen in dieser Zeit ganz oben auf der Agenda?
Christiane Becker: Ganz oben auf der Prioritätenliste steht eine Personalausstattung, die sich am Bedarf der Patient:innen orientiert und nachhaltig finanziert ist. Dafür sind tragfähige Finanzierungs- und Steuerungsmodelle für die Pflege an Universitätskliniken erforderlich. Bei Strukturreformen muss die Pflege von Anfang an berücksichtigt werden. Die universitäre Pflege ist komplex und braucht eine Stimme in der Politik.
Wir setzen uns außerdem für die Erweiterung pflegerischer Kompetenzen und mehr Verantwortung für akademisierte Pflegefachpersonen ein. Akademische Rollen in der Pflege wollen wir strukturell weiter etablieren. Es ist uns ein Anliegen, den Ausbau digitalisierter Anwendungen in der Pflege zu fördern. Sie bieten die Chance für eine qualitätsorientierte Pflege und den Abbau von Bürokratie. Darüber hinaus möchten wir pflegebezogene Daten bündeln – für die Wissenschaft und für innovative Versorgungsmodelle.
Gemeinsam mit Torsten Rantzsch werde ich als stellvertretende Vorsitzende den VPU im Deutschen Pflegerat vertreten. Der Deutsche Pflegerat ist die maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene bei politischen Entscheidungsprozessen.
Was bringen Sie als Pflegedirektorin aus Halle in die Vorstandsarbeit ein? Welche Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt sind auch für andere Universitätskliniken relevant?
Christiane Becker: Ich verstehe den stellvertretenden Vorsitz als Auftrag, die wichtige Perspektive eines Universitätsklinikums aus den neuen Bundesländern zu ergänzen. Die Rahmenbedingungen der universitären Pflege sind auch regional geprägt. Beispiele hierfür sind der Umgang mit demografischen Realitäten, die Fachkräftegewinnung, der Einsatz internationaler Kolleg:innen und die Versorgung im ländlichen Raum.
Ich bringe meine umfangreiche Managementerfahrung in die Vorstandsarbeit ein. Seit mehr als zehn Jahren bin ich als Pflegedirektorin Mitglied im Klinikumsvorstand und war zuvor ebenso lange im Multiprojektmanagement eines Wissenschaftsbetriebs tätig. Am Standort Halle (Saale) verfügen wir zudem über umfangreiche Erfahrung in der akademischen Entwicklung und Evidenzbasierung der Pflegepraxis sowie der Einführung moderner, pluraler Führungsstrukturen mit flachen Hierarchien. Zusammen mit der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg blicken wir auf eine 30-jährige Tradition der Entwicklung evidenzbasierten Pflege zurück. Auch deshalb gibt es in Halle praxiserprobte Konzepte, wie hochschulisch qualifizierte Pflegefachpersonen wertschöpfend in der stationären Maximalversorgung eingesetzt werden können.
Umgekehrt profitiert auch die Universitätsmedizin Halle von der neuen Nähe zum VPU: Mehr überregionale Sichtbarkeit und eine bessere Vernetzung mit der universitären Pflegelandschaft befruchten unseren Standort in seiner pflegeprofessionellen Entwicklung.
