Tag der Organspende am 6. Juni: Entscheidung treffen und Leben retten
Mit dem Thema Organspende setzen sich viele Menschen erst spät oder überhaupt nicht auseinander. Im Ernstfall fehlt deshalb oft eine dokumentierte Entscheidung, die Leben retten könnte. Zum Tag der Organspende am 6. Juni 2026 macht das Universitätsklinikum Halle (Saale) auf die Bedeutung einer persönlichen Willensbekundung aufmerksam.
Dokumentierte Entscheidung hilft Wartenden und Angehörigen
„Die Bereitschaft zur Organspende ist in der von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) eingeteilten Region Ost, zu der Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gehören, im bundesweiten Vergleich mit 16,5 Spenden pro eine Million Einwohner:innen überdurchschnittlich hoch“, erklärt Dr. Josephin Damm, Fachärztin für Neurologie und Transplantationsbeauftrage an der Universitätsmedizin Halle. „Wir nehmen im Rahmen unserer täglichen Arbeit aber weiterhin wahr, dass der Wille der Patient:innen sehr häufig nicht bekannt ist. Dabei kann eine dokumentierte Entscheidung Leben retten und Angehörige in einer schwierigen Situation enorm entlasten.“
Transplantationsbeauftragte klären auf und begleiten
Die sechs speziell ausgebildeten Transplantationsbeauftragten am Universitätsklinikum Halle (Saale) sehen deshalb vor allem Aufklärung als eine zentrale Aufgabe an. Sie informieren Patient:innen und Angehörige von Spender:innen umfassend und begleiten sie behutsam auf dem Weg der Organspende. Zudem sind Transplantationsbeauftragte die wichtigsten Ansprechpersonen für die DSO, die bundesweite Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende gemäß Transplantationsgesetz.
Auch wenn die Anzahl der postmortalen Organspender:innen laut Jahresbericht der DSO in Deutschland im Jahr 2025 mit 985 Personen den höchsten Stand seit 2012 verzeichne, warten in Deutschland weiterhin mehr als 8000 Menschen auf ein oder mehrere lebensrettende Spenderorgane. Aktuell wird in der Politik erneut über die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung diskutiert. Dabei gilt jede Person grundsätzlich als Organspender:in, sofern kein Widerspruch dokumentiert wurde.
Organspende – kein Tabuthema
„Organspende ist ein Thema, das viele Menschen aufschieben. Dabei ist es wichtig, sich frühzeitig bewusst mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen und darüber zu sprechen. Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist sehr persönlich, sollte aber, wie sie auch ausfallen mag, dokumentiert werden“, sagt Dr. Damm. „Wir wünschen uns, dass das Thema stärker enttabuisiert wird. So selbstverständlich, wie wir über Alltägliches wie zum Beispiel das Wetter sprechen, sollten wir auch mit vertrauten Menschen über das Thema Organspende gesprochen haben.“
Eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende kann auf unterschiedlichen Wegen festgehalten werden, beispielsweise im Organspendeausweis oder über das bundesweite Organspenderegister. Ebenso wichtig ist jedoch das Gespräch innerhalb der Familie oder mit nahestehenden Personen.
Expert:innen informieren transparent und räumen mit Mythen auf
Der Tag der Organspende wurde 1983 von Selbsthilfe- und Patient:innenverbänden sowie weiteren Organisationen rund um die Organspende ins Leben gerufen. Bei der zentralen Veranstaltung vom 5. bis 7. Juni in Leipzig ist auch die Universitätsmedizin Halle vertreten.
Transparente Informationen helfen dabei, mit Mythen aufzuräumen. Zur Langen Nacht der Wissenschaften in Halle am 3. Juli 2026 erklärt Dr. Josephin Damm in einem Vortrag den Irreversiblen Hirnfunktionsausfall („Hirntod“), die medizinische Voraussetzung für eine postmortale Organspende. Der Vortrag vermittelt verständlich die medizinischen Grundlagen, erläutert die Diagnostik und geht auf häufige Missverständnisse in der öffentlichen Diskussion ein – eine Einladung zu sachlicher Aufklärung über ein oft emotional diskutiertes Thema.
Weitere Informationen zum Thema Organspende gibt es unter www.organspende-info.de sowie bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).
