Stammtisch bietet Patient:innen mit Hirntumor Raum für Austausch und Normalität

Zwei Hände liegen mit den Handflächen nach oben auf einem hellblauen Hintergrund. In den Handflächen befindet sich ein vereinfachtes Bild eines Gehirns.

Der Gliom-Patient:innenstammtisch trifft sich seit 2021 regelmäßig. (stock.adobe.com 430181967)

Die Diagnose Hirntumor verändert das Leben von einem Tag auf den anderen. Um Patient:innen mit Glioblastom über die Therapie hinaus zu unterstützen, gründete sich am Universitätsklinikum Halle (Saale) im Mai 2021 der „Gliom-Patient:innenstammtisch“. Die Treffen bieten Betroffenen seit mittlerweile fünf Jahren einen geschützten Raum für Austausch, Fragen und Normalität trotz schwerer Krebserkrankung.

Mehr Lebenszeit für Betroffene

Das Glioblastom ist der häufigste und zugleich aggressivste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass der Tumor das umliegende Hirngewebe infiltriert und sich einzelne Tumorzellen oft weit über die in der Bildgebung sichtbaren Grenzen hinaus ausbreiten. „Trotz modernster Operations-, Strahlen- und Chemotherapieverfahren können in der Regel nicht alle Tumorzellen entfernt werden. Aus diesem Grund gilt das Glioblastom bislang als nicht heilbar“, sagt Jörg Illert, Facharzt in der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie und Leiter des Neuroonkologischen Zentrums der Universitätsmedizin Halle. „Eines der Therapieziele ist daher, den Patient:innen so viel Lebenszeit wie möglich bei gleichzeitiger Erhaltung der Lebensqualität zu verschaffen.“

Stammtisch bietet Austausch und Normalität trotz Hirntumor

Neben der medizinischen und psychologischen Versorgung kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein. Deshalb gründete Jörg Illert 2021 den Stammtisch für Patient:innen mit Hirntumor. „Wir sprechen lieber von einem Stammtisch als von einer Selbsthilfegruppe. Die Teilnehmenden haben zwar auch konkrete medizinische Fragen oder geben sich zum Beispiel gegenseitig Empfehlungen für effektives Gedächtnistraining. Häufig geht es aber auch um ganz alltägliche Themen. Statt der Erkrankung steht oft die Normalität im Vordergrund“, so der Neurochirurg, der die Gruppe gemeinsam mit einem Psychoonkologen begleitet.

Virtuelle und barrierefreie Treffen gegen die Isolation

Gestartet ist der Stammtisch mit sieben Patient:innen, mittlerweile nehmen 16 bis 17 Personen aus ganz Mitteldeutschland und darüber hinaus an den monatlichen Videokonferenzen teil. Zweimal im Jahr treffen sich die Teilnehmenden persönlich, meist verbunden mit einem Ausflug in die Region und einem gemeinsamen Kaffeetrinken oder Restaurantbesuch. Bei der Planung achtet das Team auf barrierefreie Angebote, damit auch Menschen, die aufgrund der Erkrankung nicht mehr vollständig mobil oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind, teilnehmen können. 

„Viele Menschen mit einer schweren und möglicherweise nicht heilbaren Krebserkrankung sind allein und auf sich gestellt, weil sich das Umfeld, häufig aus Angst oder Überforderung, zurückgezogen hat. Viele Teilnehmende berichten, die regelmäßigen Treffen seien für sie ein wichtiger sozialer Kontakt und helfen ihnen dabei, neuen Mut zu schöpfen“, sagt Jörg Illert.

Neuroonkologisches Zentrum rezertifiziert

Patient:innen mit Glioblastom oder anderen Tumoren des Nervensystems werden an der Universitätsmedizin Halle am Neuroonkologischen Zentrum behandelt. Die Einrichtung gehört zum Krukenberg-Krebszentrum Halle und wurde seit 2017 jährlich, zuletzt im Juni 2026, von unabhängigen Fachgutachter:innen der Deutschen Krebsgesellschaft für ihre höchsten medizinischen Qualitätsstandards rezertifiziert.

Kontakt: patientenstammtisch☉uk-halle.de