Antibiotikaresistenzen vermeiden: Projekt „Tele-Kasper“ soll dauerhaft Teil der medizinischen Versorgung werden
Das Projekt „Telemedizinisches Kompetenznetzwerk Antibiotic Stewardship in Pediatrics“, kurz „Tele-Kasper“, mit Beteiligung der Universitätsmedizin Halle soll in die Regelversorgung überführt werden. Dazu hat der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eine Empfehlung ausgesprochen. Ärzt:innen und Forschende aus verschiedenen Kliniken starteten das Vorhaben 2020 mit dem Ziel, die Gabe von Antibiotika an Kinder und Jugendliche drastisch zu reduzieren, um damit verbundene Risiken zu minimieren. Der G-BA-Beschluss bestätigt den Erfolg des Projekts und ebnet den Weg für dessen Weiterentwicklung.
„Antibiotikaresistenzen gehören zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin. Mit „Tele-Kasper“ haben wir gezeigt, dass telemedizinische Expertise dazu beitragen kann, Antibiotika bei Kindern und Jugendlichen gezielter und zurückhaltender einzusetzen, ohne Abstriche bei der Versorgungsqualität zu machen“, sagt Dr. Stefan Moritz, Projektleiter „Tele-Kasper“ und Leiter der Klinischen Infektiologie der Universitätsmedizin Halle. „Die Empfehlung des Innovationsausschusses für neue Versorgungsformen ist ein wichtiger Schritt, um das Konzept langfristig in die Regelversorgung zu überführen.“
App unterstützt Ärzt:innen in Kinderkliniken
Gerade bei Kindern und Jugendlichen werden Antibiotika häufig falsch eingesetzt oder unsachgemäß dosiert, was Resistenzen begünstigen kann. Das Projekt „Tele-Kasper“ berät und unterstützt Ärzt:innen in nicht universitären Kinderkliniken bei der Diagnostik und Therapie von Infektionen im Kindesalter. Ziel ist es, die Verschreibungspraxis von Antibiotika zu optimieren.
Im Zentrum des Projekts steht eine individuell entwickelte App, die als Kommunikationstool und Nachschlagewerk dient. Sie ermöglicht die telemedizinische Kontaktaufnahme mit einem der vier beteiligten universitären infektionsmedizinischen Zentren in München, Halle (Saale), Essen oder Homburg und bietet Zugriff auf einen umfangreichen Antiinfektiva-Leitfaden sowie auf eine digitale Plattform für Fortbildungsangebote.
Kompetenzzentren in ganz Deutschland aufbauen
Die Ergebnisse des Projekts waren so eindeutig, dass der G-BA die Empfehlung nicht auf die Kinderheilkunde beschränkt hat, sondern allgemein den Aufbau von infektiologischen telemedizinischen Zentren in Deutschland befürwortet. Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder prüft nun im nächsten Schritt gemäß Beschluss, inwieweit die Bildung von Kompetenzverbünden den Antibiotikaeinsatz in der stationären Krankenhausversorgung verbessern könnte.
