Hörstörungen bei Neugeborenen schnell erkennen: Universitätsmedizin Halle schult Fachpersonal
Wie wichtig eine frühzeitige Erkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen ist, stand im Mittelpunkt einer Fortbildungsveranstaltung der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Halle am 25. März 2026. Gemeinsam mit der Trackingstelle Neugeborenen-Hörscreening Sachsen-Anhalt und dem Förderverein „Sachsen-Anhalt hört früher“ vermittelte das Team Fachkräften aus Medizin, Geburtshilfe und Kinderkrankenpflege praxisnahes Wissen rund um das Neugeborenen-Hörscreening. Neben fachlichen Grundlagen standen vor allem praktische Übungen im Fokus der Veranstaltung.
Früherkennung bei Hörstörungen entscheidend
„Kinder mit Hörstörungen brauchen früh eine Behandlung, da unbehandelte Hörprobleme ihre Entwicklung beeinträchtigen können. Mit Hilfe des Neugeborenen-Hörscreenings können wir Hörstörungen direkt oder wenige Tage nach der Geburt ausschließen oder erkennen und entsprechende Therapien einleiten“, sagt Dr. Gerrit Götze, Oberärztin und Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) an der Universitätsmedizin Halle. „Ziel der Fortbildung ist es, möglichst viele Fachkräfte, die in Kliniken oder im ambulanten Bereich Neugeborene versorgen, für die Durchführung des Screenings zu qualifizieren, um den Kindern und ihren Familien einen sicheren Start ins Leben zu ermöglichen.“
Neugeborenen-Hörscreening: Welche Verfahren gibt es?
Das Neugeborenen-Hörscreening beinhaltet die Messung der otoakustischen Emissionen und die Hirnstammaudiometrie. Beide Verfahren sind schmerzfrei und können durchgeführt werden, während das Kind schläft. Bei der Messung der otoakustischen Emissionen wird überprüft, ob das Innenohr normal arbeitet. Dazu wird eine kleine, weiche Sonde in den äußeren Gehörgang gelegt. Diese Sonde gibt kurze, leise Klick- oder Tonreize ab und enthält zugleich ein sehr empfindliches Mikrofon. Ein gesundes Innenohr reagiert auf diese Schallreize aktiv: Die äußeren Haarzellen der Hörschnecke erzeugen selbst sehr schwache Schallsignale, die wie ein Echo wieder in den Gehörgang zurückgesendet werden.
Die Hirnstammaudiometrie prüft, ob Schallsignale vom Ohr über den Hörnerv bis in die frühen Verarbeitungszentren des Gehirns weitergeleitet werden. Auch hier erhält das Baby über einen kleinen Ohrhörer kurze Tonreize. Gleichzeitig werden auf der Haut in Ohrnähe einige kleine Elektroden angebracht, die die elektrischen Antworten des Hörsystems messen. Das Verfahren zeichnet die Aktivität entlang der Hörbahn vom Innenohr über den Hörnerv bis zum Hirnstamm auf. Wenn die Reaktionen auf die Schallreize messbar sind, gilt die Weiterleitung der Hörinformationen im frühen Hörsystem als intakt.
Fortbildung stärkt Kooperation der Kliniken und Versorgung
Die Fortbildung „Update Neugeborenen-Hörscreening Sachsen-Anhalt“ findet jährlich an wechselnden Kliniken in Sachsen-Anhalt statt. Als diesjähriger Gastgeber bringt sich das Team des Universitätsklinikums Halle (Saale) mit seiner Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Hörstörungen bei Kindern ein. Expert:innen aus den Bereichen HNO, Pädiatrie, Neuropädiatrie und Audiometrie bzw. Hörakustik arbeiten am Klinikum Hand in Hand und teilten ihr Fachwissen in Form von Vorträgen und praktischen Workshops.
„Durch die enge Zusammenarbeit aller Fachrichtungen an einem Standort mit kurzen Wegen und festen Ansprechpartner:innen können wir die Versorgung gut koordinieren. Das ist gerade für Kinder und Eltern eine spürbare Erleichterung. Gleichzeitig ergänzen diese Strukturen die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken in der Region und tragen dazu bei, dass betroffene Familien möglichst wohnortnah und qualitätsgesichert versorgt werden können“, sagt Dr. Götze.
