11. Forschungstag: Universitätsmedizin Halle als Bühne für die Medizin von morgen

Schon am Morgen füllten sich die Hörsäle und Gänge des Lehrgebäudes.

„Halle ist bekanntermaßen die Kulturhauptstadt Sachsen-Anhalts – und zugleich ein starker Wissenschaftsstandort, wie man heute wieder eindrucksvoll sehen kann.“ Mit diesen Worten begrüßte Dekanin Prof. Heike Kielstein am 11. Mai 2026 die Teilnehmenden des 11. Forschungstags an der Universitätsmedizin Halle. Geboten wurden über 60 Beiträge, die von der Versorgungsforschung bis zu zukünftigen Krebstherapien reichten.

Doch wie steht es um die Wissenschaft in einer Zeit, in der Fakten zunehmend infrage gestellt werden? Die Prodekanin für Forschung, Prof. Claudia Wickenhauser, fand dazu deutliche Worte: „Wenn Fakten abtropfen wie Wassertropfen an einer Teflonpfanne – was macht man dann? Dann bedeutet eine wissenschaftliche Betätigung heutzutage auch eine politische Betätigung. Dessen sollte man sich bewusst sein.“

Herausfordernd sind jedoch nicht nur gesellschaftliche Entwicklungen, sondern auch problematische Praktiken im Publikationswesen. Über „Predatory Journals“, also unseriöse Zeitschriften mit hohen Gebühren und mangelnder Qualitätskontrolle, sowie über sogenannte Papiermühlen, die gegen Bezahlung massenhaft erfundene wissenschaftliche Artikel produzieren, sprach Dr. Gerrit Grenzebach von der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt. Seine Botschaft: In jedem Einzelfall gilt es, genau hinzuschauen und wissenschaftliche Standards kritisch zu prüfen. Andernfalls ist nicht nur das Vertrauen in die Wissenschaft gefährdet, sondern im schlimmsten Fall auch die Sicherheit der Patient:innen.

Kreative Kurzvorträge für komplexe Inhalte

Neben den klassischen Fachvorträgen bot der Forschungstag erneut Raum für die beliebten „Elevator Pitches“. Dabei stellten die Forschenden ihre Projekte anschaulich, kompakt und oft überraschend kreativ vor. Die Kurzpräsentationen ermöglichten einen schnellen Einblick in die große thematische Bandbreite der über 50 auf Postern vorgestellten Forschungsarbeiten und dienten dazu, die Anwesenden anschließend zum jeweiligen Poster zu locken.

Dabei wurden komplexe Forschungsthemen pointiert auf die Bühne gebracht: mit Gedichten über Melanome, Jonglierbällen zur Brustkrebsforschung, musikalisch präsentierten Alzheimer-Daten oder Vergleichen mit Erdbeer-Sahne-Biskuitrollen, der Feuerwehr und Flusslandschaften. Inhaltlich spannte sich der Bogen von der Krebsforschung über die Pflegewissenschaft bis hin zu Post-Covid. Dabei wurde oft eine Verbindung zwischen medizinischen und gesellschaftlichen Faktoren hergestellt – sei es im Hinblick auf den Umgang mit Stigmatisierung, die Versorgung pflegebedürftiger Menschen oder die Entwicklung individualisierter Therapien.

Zum zweiten Mal im Programm war zudem der „Newcomers Club“, in dem sich in diesem Jahr die jüngst neu berufenen Wissenschaftler:innen Prof. Ivonne Regel (Tumorimmunologie) und Prof. Sebastian Haferkamp (Dermatologie und Venerologie) vorstellten und Einblicke in ihre Forschungsschwerpunkte gaben. 

„Ein Format, das offensichtlich gut ankommt“

Mit einer positiven Bilanz schloss Prodekanin Prof. Wickenhauser den 11. Forschungstag ab. Über 250 Teilnehmende waren dabei. Besonders erfreulich war die starke Beteiligung an beiden Themenschwerpunkten des Tages – „Versorgungsforschung” und „Molekulare Medizin” – sowie die gute Vernetzung über Fachgrenzen hinweg.

Im Anschluss prämierte sie die von einer Jury ausgewählten herausragenden Posterpräsentationen und Vorträge. Mit den besten Vorträgen überzeugten Susan Gottschalk (Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft) und Dr. Jesús Guillermo Nieves Pereira (Molekulare Medizin). In der Kategorie Poster wurden Laura Pfrommer, Janina Wittmann (beide Gesundheits-, Hebammen- und Pflegewissenschaft), Klara Trusch (Neurologie), Anna Burova (Physiologische Chemie), Tina Seidel (Hämatologie und Onkologie), Pius Schlachter (Anatomie), Mobina Kiani (Molekulare Medizin) und Aria Rajabi (Pathologie) ausgezeichnet.

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