Krebsversorgung mit begrenzten Ressourcen: Internationaler Austausch an der Universitätsmedizin Halle

Rund 80 Forschende von „NORA“ aus sieben Ländern kamen im Mai 2026 in Halle (Saale) zusammen.

Während in Deutschland über Krankenhausreformen und Fachkräftemangel diskutiert wird, sehen sich viele Länder mit noch grundlegenderen Herausforderungen konfrontiert: stark begrenzte Ressourcen bei gleichzeitig steigenden Krebszahlen. Ein Beispiel dafür sind die afrikanischen Länder.

Wie kann eine wirksame Krebsversorgung unter diesen Bedingungen aussehen? Und was kann man von anderen Ländern in puncto Effizienz lernen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die „NORA Summer School“ vom 11. bis 21. Mai. Im Rahmen des Programms machte die internationale Veranstaltung auch mehrere Tage an der Universitätsmedizin Halle Station. Dazu kamen rund 80 Forschende des wissenschaftlichen Netzwerks aus Äthiopien, Tansania, Südafrika, Nigeria, Kenia, Eswatini und Deutschland in Halle zusammen.

Im Mittelpunkt standen neue Erkenntnisse aus den Bereichen Epidemiologie, Palliativversorgung, Brustkrebsfrüherkennung, HPV-Screening zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Da viele der Teilnehmenden direkt in Regionen forschen, in denen Krebstherapien, Diagnostik oder Nachsorge oft nur eingeschränkt verfügbar sind, war der Austausch entsprechend praxisnah. Beispielsweise ging es darum, wie insbesondere Frauen in ländlichen Regionen mit Früherkennungsangeboten erreicht werden können, da Brust- und Gebärmutterhalskrebs dort ebenfalls häufig vorkommen.

Viele Ergebnisse nach der ersten Halbzeit

NORA befindet sich derzeit in der Mitte der Projektlaufzeit. Die bisher mehr als 80 veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich mit Versorgungslücken und den sozialen Folgen von Krebserkrankungen. So haben Studien aus Äthiopien beispielsweise untersucht, warum Frauen Nachsorgeangebote nicht wahrnehmen und welche finanziellen Belastungen Behandlungen von Brustkrebs verursachen. Andere Arbeiten beleuchten die psychosozialen Herausforderungen von Krebspatient:innen oder die Gründe für späte Diagnosen in ländlichen Regionen Tansanias und Äthiopiens.

Auch kulturelle und gesellschaftliche Faktoren sind Thema. So analysierte eine Studie die emotionalen und sozialen Folgen von Brustamputationen in Äthiopien. Weitere Projekte untersuchten die Einstellungen zur Krebsfrüherkennung, den Einfluss traditioneller Heilmethoden und die Wege von Patient:innen durch komplexe Versorgungssysteme.

„Gerade in Ländern mit knappen Ressourcen zeigt sich, wie innovative und praktikable Lösungen für die Gesundheitsversorgung aussehen könnten“, sagt Prof. Dr. Eva Kantelhardt, Co-Direktorin von NORA und Leiterin der Arbeitsgruppe Global Health an der Universitätsmedizin Halle. „Die Zusammenarbeit in NORA ermöglicht es, voneinander zu lernen und Forschung direkt in konkrete Verbesserungen für Patient:innen zu übersetzen.“

Hintergrund

NORA (Network for Oncology Research in Sub-Saharan Africa) ist Teil einer übergeordneten Initiative zur Förderung von deutsch-afrikanischer Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika (RHISSA), in der seit 2023 sechs Netzwerke durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) als Leuchtturmprojekte gefördert werden.