Nachhaltigkeit im Kreißsaal: Geburtshilfe der Universitätsmedizin Halle ausgezeichnet
Für ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit hat die Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Universitätsmedizin Halle ein Umweltmanagement-Zertifikat erhalten. Die international anerkannte Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001 würdigt Unternehmen und Einrichtungen, die ihre Umweltleistung verbessern und nachhaltige Prozesse im Arbeitsalltag verankern. Das Team der Geburtshilfe überzeugte mit ökologisch verantwortungsbewussten Projekten in Kombination mit höchsten medizinischen Standards.
„Bei uns kommt eine neue Generation zur Welt. Deshalb sehen wir uns in der Verantwortung, nachhaltig zu handeln und einen Beitrag für ihre Zukunft zu leisten“, sagt Dr. Marcus Riemer, Leitender Oberarzt in der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Universitätsmedizin Halle.
Gesammelte Plazenta-Entsorgung spart Ressourcen
Ein zentrales Projekt in der Geburtshilfe betrifft den Umgang mit der Plazenta. Das temporäre Organ bildet sich während der Schwangerschaft, um das heranwachsende Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und wird nach der Geburt ausgeschieden. Da es als organisches Material gilt, müsste es üblicherweise als Sondermüll täglich entsorgt werden – ein Prozess, der mit hohem Aufwand, Kosten und Umweltbelastung verbunden ist.
„Bei durchschnittlich zwei bis drei Geburten pro Tag waren die für die Plazenta vorgesehenen Spezialbehälter oft nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet“, erklärt Dr. Riemer. „Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Plazenten gekühlt zu lagern und einmal wöchentlich gesammelt zu entsorgen. Diese Umstellung ist medizinisch sowie hygienisch völlig unbedenklich und spart jährlich rund 300 Kilogramm Material und Müll ein.“
Videosprechstunde und Upcycling
Auch im Kleinen zeigt sich der nachhaltige Ansatz: Standardisierte Tupferpackungen enthalten drei Tupfer, von denen für Untersuchungen meist nur zwei benötigt werden. Der dritte Tupfer ist nach dem Öffnen nicht mehr steril und somit medizinisch nicht mehr einsetzbar. Statt ihn zu entsorgen, nutzen die Hebammen ihn kreativ weiter, etwa für die Fußabdrücke der Neugeborenen, die Familien als Erinnerung erhalten.
Ein weiterer Baustein ist die Hebammenvideosprechstunde. Sie reduziert Wege und Belastungen für Schwangere und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz. Auch ein bewusster Umgang mit Energie und Ressourcen gehört im Klinikalltag der Geburtshilfe zum Umweltmanagement.
Initiiert und getragen werden die Projekte von der Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ aus Pflegefachpersonen, Hebammen und Ärzt:innen, die sich freiwillig und motiviert engagieren. Bei allen Maßnahmen stehen Patientensicherheit und -zentrierung, Hygiene sowie Mitarbeitendenorientierung im Mittelpunkt.
Umweltmanagement nach DIN EN ISO 14001
Die DIN EN ISO 14001 ist eine international anerkannte Norm für Umweltmanagementsysteme. Sie legt Anforderungen fest, mit denen Organisationen ihre Umweltleistung systematisch verbessern, rechtliche Vorgaben einhalten und Umweltziele steuern können. Im Mittelpunkt stehen ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, die Bewertung von Umweltaspekten sowie Maßnahmen zur Ressourcenschonung und Reduzierung von Emissionen. Die Norm ist branchenübergreifend anwendbar und dient Unternehmen als Nachweis für ein verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Handeln.
