Alterstraumazentrum Halle erneut zertifiziert

Zwei Personen in medizinischer Arbeitskleidung begleiten eine ältere Person in einem Krankenhausflur. Die ältere Person geht in der Mitte an Krücken und wird von den beiden Personen leicht gestützt.

Die Mobilisierung hilft Patient:innen dabei, ihre Selbstständigkeit zu erhalten.

Das Alterstraumazentrum Halle ist im Januar 2026 zum zweiten Mal von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) rezertifiziert worden. Bei dem Zentrum handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Bereiche Unfallchirurgie, Alterstraumatologie und Geriatrie der Universitätsmedizin Halle sowie der Klinik für Geriatrie des Diakoniekrankenhauses Halle. Ziel der interdisziplinären Zusammenarbeit ist es, die Versorgung älterer Menschen zu stärken und Ressourcen zu bündeln. 

„Dank der engen Zusammenarbeit können wir auf ein breites Spektrum an Fachwissen sowie auf erweiterte räumliche Kapazitäten zurückgreifen und so eine optimale Betreuung unserer Patient:innen gewährleisten. Gerade bei älteren Menschen mit komplexen Verletzungen oder Erkrankungen ist die enge Verzahnung von Unfallchirurgie und Geriatrie entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Genesung bestmöglich zu unterstützen“, sagt Dr. Rüdiger Neef, Leiter der Abteilung für Alterstraumatologie der Universitätsmedizin Halle, der das Alterstraumazentrum gemeinsam mit Andreas Kothe, Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Diakoniekrankenhauses Halle, und Dr. Stefanie Andernach, Kommissarische Direktorin der Universitätsklinik und Poliklinik für Altersmedizin der Universitätsmedizin Halle, leitet.

Osteoporose: Prävention stärken, Risiko senken

Im Alterstraumazentrum Halle werden jährlich rund 450 Patient:innen von einem erfahrenen Team aus Ärzt:innen, Therapeut:innen und Pflegefachpersonen behandelt. Neben allgemeinen geriatrischen Erkrankungen treten Knochenbrüche durch leichte oder schwere Stürze bei älteren Personen besonders häufig auf. Viele Frakturen sind durch Osteoporose bedingt, eine Erkrankung, bei der die Knochen an Stabilität verlieren und leichter brechen. Das Risiko steigt mit dem Alter und wird durch Faktoren wie Bewegungsmangel, Vitamin-D- und Kalziummangel, Untergewicht, Rauchen oder Alkohol zusätzlich erhöht.

Laut Rüdiger Neef müsse vor allem die Prävention gestärkt werden, um der Erkrankung entgegenzuwirken oder diese frühzeitig zu erkennen. „Oft kommen Patient:innen erst nach einem Knochenbruch zu uns, dabei kann eine frühzeitig diagnostizierte Osteoporose gut behandelt werden. Eines unserer Ziele ist es daher, die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzt:innen in Halle (Saale) und der Region weiter auszubauen, etwa durch regelmäßige Fortbildungen oder Netzwerktreffen.“

Neben der chirurgischen und geriatrischen Akutversorgung steht im Alterstraumazentrum die Vermeidung weiterer Stürze im Fokus. Hierbei spielt das Case Management eine zentrale Rolle. Es organisiert die Nachsorge und hilft dabei, Unfallrisiken im häuslichen Umfeld zu erkennen und zu beseitigen, etwa unsichere Teppiche oder eine unzureichende Beleuchtung.

Außerdem wird im Zentrum geprüft, ob die Medikation angepasst werden muss. Gerade bei älteren Menschen kann die Einnahme vieler und möglicherweise falsch dosierter Medikamente das Sturzrisiko erhöhen. Zudem wird individuell entschieden, welche Rehabilitationsmaßnahme für die Patient:innen im Anschluss an den stationären Klinikaufenthalt am besten geeignet ist.

„Die erneute Zertifizierung ist für uns eine wichtige Bestätigung der gemeinsamen Arbeit“, betont Andreas Kothe. „Gerade in Sachsen-Anhalt, wo der Anteil älterer Menschen besonders hoch ist, braucht es verlässliche und gut vernetzte Versorgungsstrukturen. Entscheidend ist, dass wir Patient:innen nicht nur akutmedizinisch versorgen, sondern sie auch auf dem Weg zurück in ihren Alltag begleiten.“

Hintergrund zur Zertifizierung

Die Initiative AltersTraumaZentrum DGU® wurde 2007 von der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der DGU ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Sicherheit und Qualität in der Versorgung älterer Patient:innen durch verbindliche Standards zu verbessern. Die Rezertifizierung der Zentren erfolgt turnusmäßig alle drei Jahre.