Detail eines Mikroskopes vor blauen Hintergrund

Kohortenanalyse zu Resilienz im Alter & bei chronischen Erkrankungen

FORSCHUNGSSCHWERPUNKT

Wesentliche Merkmale erfolgreichen Alterns sind eine gute psychische Gesundheit und eine gute kognitive Leistungsfähigkeit (z.B. eine hohe Gedächtnisleistung). Wie also können Menschen sowohl ihre psychische Gesundheit als auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne hinweg erhalten – unter anderem auch wenn sie von chronischen Erkrankungen betroffen sind? Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Widerstandsfähigkeit von Personen, was auch als Resilienz bezeichnet wird.

Unser Fokus liegt auf zwei zentralen Resilienzformen: Stressresilienz und kognitive Resilienz. Stressresilienz bezeichnet hierbei die Fähigkeit, trotz belastender Lebensereignisse und alltäglicher Stressoren psychisch gesund zu bleiben bzw. sich schnell wieder zu erholen. Bei der kognitiven Resilienz interessieren wir uns für zwei Unterkonzepte. Zum einen für die sogenannte „kognitive Reserve“, was die Fähigkeit bezeichnet trotz altersbedingter und pathologischer Hirnveränderungen (z.B. der altersbedingten Abnahme im Gehirnvolumen oder der pathologischen Plaquebildung im Gehirn) kognitiv fit zu bleiben. Zum anderen interessieren wir uns für das Ausmaß der Erhaltung des Gehirns über die Zeit („brain maintenance“).

Wir untersuchen in großen Kohortenstudien wie z.B. der NAKO und der UK Biobank, welche Faktoren Stressresilienz und kognitive Resilienz fördern und damit zu gesundem Altern beitragen. Zudem interessieren wir uns für Biomarker für Stressresilienz und kognitive Resilienz. Wir greifen dabei unter anderem auf MRT-Daten, Fragebogendaten, Kognitionsdaten, Genetikdaten, und Blutmarker zurück.

Parallel erforschen wir in humanen Kohortenstudien und in translationalen Projekten die biologischen Mechanismen, die Stressresilienz und kognitiver Resilienz zugrunde liegen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, ob Resilienz bei Personen mit chronischen Erkrankungen und bei Personen mit einem hohen Risiko für psychische Erkrankungen durch die gleichen neuronalen Strukturen und Netzwerke vermitteln wird wie bei gesunden Personen.

Unsere Forschung soll zu einem besseren Verständnis von Stressresilienz und kognitiver Resilienz beitragen und die Entwicklung wirksamer Präventionsansätze ermöglichen. Langfristig möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen nicht nur länger, sondern auch gesünder Altern - auch wenn sie von chronischen Erkrankungen betroffen sind oder ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen aufweisen.

MITARBEITENDE

  • Dr. Annabell Coors (Leitung)
  • Yuduo Wang (Doktorand)
  • Leonie Loop (Doktorandin)

AKTUELLE PROJEKTE

Zunehmende psychische Belastungen durch globale Krisen stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. In diesem Projekt untersuchen wir anhand von Daten von 470.000 Personen der UK Biobank, inwiefern Stressresilienz mit Alterungsprozessen zusammenhängt. Dabei betrachten wir, ob Menschen mit einer hohen Stressresilienz besser vor kognitivem Abbau geschützt sind und biologisch langsamer altern. Diese Erkenntnisse sollen helfen, präventive Ansätze zu entwickeln und die Bedeutung von Stressresilienz für gesundes Altern besser zu verstehen.

Vorarbeiten zeigen: Gehirnbasierte Resilienzmarker besitzen hohe Vorhersagekraft für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung. Wir wollen testen, inwieweit sich die vorläufigen Ergebnisse auf prospektive, bevölkerungsbasierte Kohorten übertragen lassen und transdiagnostische Gültigkeit besitzen. Zudem erforschen wir, ob in Risikopersonen für psychische Erkrankungen die gleichen Gehirnstrukturen und Netzwerke Stressresilienz zugrunde liegen wie in gesunden Kontrollpersonen. Zur Beantwortung unserer Fragen verwenden wir Daten von bestehenden humanen Kohortenstudien (z.B. NAKO) und designen translationale Tierstudien. Die Erkenntnisse dieses Projekts sollen zu einem besseren Verständnis der neuronalen Mechanismen von Stressresilienz in Risikopersonen und zur Identifikation von prädiktiven Markern für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen beitragen. Es ist unter anderem geplant die identifizierten prädiktiven Marker in zukünftigen Präventionsstudien des DZPGs zu integrieren.

Es gibt eine Vielzahl an Maßen für das biologische Alter, die mit dem Ziel entwickelt wurden, eine höhere Vorhersagekraft für gesundheitsrelevante Zielgrößen zu haben als das chronologische Alter einer Person. Wir vergleichen in diesem Projekt vor allem DunedinPACNI, ein auf strukturellen MRT-Daten basierendes Maß, mit Blutbiomarker-basierten Maßen für biologisches Alter in der NAKO-Kohorte. Unser Ziel ist zu identifizieren, welches Maß die beste Vorhersagekraft für gesundheitsrelevante Zielgrößen wie z.B. kognitiven Abbau oder Mortalität besitzt.

KOOPERATIONEN

  • Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG)
  • Leibniz Forschungsverbund „Resilientes Altern“ (Dr. Coors fungiert als eine der Forschungskoordinatorinnen des Verbundes)
  • DZNE (Abteilung „Populationsbezogene Gesundheitsforschung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. MB Breteler)
  • Columbia University (Abteilungen „Cognitive Neuroscience“ und „Psychiatry“)
  • Universität Bonn (Abteilung „Allgemeine Psychologie und Experimentelle Klinische Psychologie“, Prof. Dr. Ulrich Ettinger)
  • Norwegian University of Science and Technology, Norwegen (Abteilung „Neuromedicine and Movement Science“, Prof. Dr. Asta Håberg)
  • National Center for Geriatrics and Gerontology, Japan (Dr. Osamu Katayama)
  • „Reserve & Resilience Imaging Working Group“ (unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Habeck)

FÖRDERUNG (aktuell)

  • BMFTR: DZPG VISIONS Projekt TRESPE für die Dauer von drei Jahren (Förderkennzeichen: VISIONS1/ 01EE2507Q)
  • DFG-geförderte GeroPlan-Nachwuchsakademie zur interdisziplinären Alternsforschung mit bewilligter Sachbeihilfe (Projektnummer 570228492)

AUSGEWÄHLTE PUBLIKATIONEN

  • Coors A, Lee S, Habeck C, Stern Y. Personality traits and Cognitive Reserve – High Openness Benefits Cognition in the Presence of Age-related Brain Changes. Neurobiology of Aging. 2024; 137. doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2024.02.009 .
  • Coors A*, Lee S*, Gazes Y, Gacheru M, Habeck C, Stern Y. Brain reserve affects the expression of cognitive reserve networks. Human Brain Mapping. 2024; 45(5). doi: 10.1002/hbm.26658.
  • Coors A, Zeng W, Ettinger U, Breteler MMB. Neuropathology determines whether brain systems segregation benefits cognitive performance. Imaging Neuroscience. 2025; doi: 10.1162/IMAG.a.138.
  • Katayama O, Stern Y, Habeck C, Coors A, Lee S, Harada K, Makino K, Tomida K, Morikawa M, Yamaguchi R, Nishijima C, Misu Y, Fuji K, Kodama T, Shimada H. Detection of neurophysiological markers of cognitive reserve: an EEG study. Front. Aging neurosci. 2024; 16. doi: 10.3389/fnagi.2024.1401818.
  • Coors A, Imtiaz M-A, Boenniger MM, Aziz NA, Ettinger U, Breteler MMB. Associations of genetic liability for Alzheimer’s disease with cognition and eye movements in a large, population-based cohort study. Translational Psychiatry. 2022; 12(337). doi:10.1038/s41398-022-02093-8.
  • Coors A, Merten N, Ward DD, Schmid M, Breteler MMB, Ettinger U. Strong age but weak sex effects in eye movement performance in the general adult population: Evidence from the Rhineland Study. Vision Res 2021;178:124–33. doi:10.1016/j.visres.2020.10.004.
  • Coors A*, Boenniger MM, Santos ML, Lohner V, Koch A, Ettinger U, Aziz NA & Breteler MMB (2025). Associations of Plasma Neurofilament Light Levels with Brain Microstructure and Macrostructure and Cognition in the Community-Based Rhineland Study. Neurology, 104(6), e210278.